Anhang
John Cage und die Minimalisten
Anmerkungen und Erläuterungen
Literaturnachweis
Der Einfluß John Cages auf die Komponisten der minimal music
John Cage (*1912) war ein Schüler Schönbergs. Von ihm übernahm er die Lehre von der Gleichberechtigung der Töne "im Sinne musikalischer Hierarchielosigkeit".Dennoch ließ er sich sehr von anderen Strömungen beeinflussen. Ein wichtiger Punkt in seinem Leben war seine Beschäftigung mit der Philosophie des Zen- Buddhismus, die jedes Geräusch als Musik deklariert - "Die Welt ist Klang" - auch die Stille, das Schweigen als Abwesenheit von Klang, ist ebenfalls der Musik zu zurechnen.
Stille ist jedoch nur als Zeitdauer wahrnehmbar - womit ein neuer Faktor für Cage dazukam: Die Zeit.
Darauf bezugnehmend hielt Cage 1948 ein Plädoyer für Erik Satie:
"[...] Auf dem Gebiet der Struktur, dem Gebiet der Bestimmung der Teile und ihrer Beziehung auf ein Ganzes hat es seit Beethoven nur eine Idee gegeben. Diese neue Idee kann im Werk Anton Weberns und Erik Saties wahrgenommen werden. Bei Beethoven wurden die Teile einer Komposition durch die Harmonik bestimmt. Bei Webern und Satie werden sie durch Zeitlängen bestimmt. [...]
Wenn Sie in Betracht ziehen, daß ein Ton durch seine Höhe, seine Lautstärke, seine Farbe und seine Dauer charakterisiert wird, und daß Stille, welche das Gegenteil und deshalb der notwendige Partner des Tons ist, nur durch ihre Dauer charakterisiert wird, dann kommt man zu dem Schluß, daß die Dauer, d.h. die Zeitlänge, die fundamentalste der vier Charakteristiken des musikalischen Materials ist. [...]"56
Eine neue Auffassung der Zeit im musikalischen Schaffen ist auch wesentlicher Bestandteil minimalistischer Kunst geworden.57 Minimal music ist mit "normalem Zeitempfinden" nicht mehr faßbar, da sie sich in größeren Dimensionen abspielt, man denke da nur an die Stücke La Monte Youngs mit ihren konzipierten Aufführungsdauern von vielen Stunden.
Auch Cages Mißachtung traditioneller kompositorischer Gepflogenheiten machte starken Eindruck auf die Minimalisten, die nun ihrerseits ermutigt waren, selbst ungewöhnliche Konzepte zu entwerfen, die aber nicht unbedingt in die gleiche Richtung zielen mußten.
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Literaturnachweis
- Altmann, Michael: Sakrales Musiktheater im 20. Jahrhundert: Eine Studie zur Oper "Satyagraha" von Philip Glass, Regensburg 1993
- Brinkmann, Reinhold (Hrsg.): Avantgarde Jazz Pop, Tendenzen zwischen Tonalität und Atonalität - Neun Vortragstexte, Mainz 1978
- Danuser, Hermann; Kämper, Dietrich; Terse, Paul (Hrsg.): Amerikanische Musik seit Charles Ives, Laaber 1987
- Dibelius, Ulrich: Moderne Musik II-1965-1985, München 1988 -(Hrsg.): Musik auf der Flucht vor sich selbst - Acht Aufsätze, München 1969
- Jost, Ekkehard (Hrsg.): Musik zwischen E und U - Ein Prolog und sieben Kongreßbeiträge, Mainz 1984
- Koch, Gerhard R.: Edle Einfalt - Stille Größe? Einige Anmerkungen zur sogenannten minimal music; in: Musik und Medizin 6/1977 S. 66-71
- Koch, Gerhard R.: Der Verweigerungs-Minimalist und die Verkündigungsmonumentalität; in: Musik und Medizin 6/1981 S. 73-75
- Kopp, Karen; Wenzel, Petra; Schürmann, Hans; Lippert, Werner (Hrsg.): Philip Glass: Orphée -The making of an opera; Düsseldorf 1993
- Krohn, Brigitte: Phil Glass, "Satyagraha": Ein Werk der minimal music, Hausarbeit zur Staatlichen Prüfung für Musikschullehrer und selbständige Musiklehrer, vorgelegt in Düsseldorf im September 1984
- Lichtenfeld, Monika: Minimal Music in den USA; in: Musik und Bildung 14. (73.) Jg., 1982, S. 140-146
- Lovisa, Fabian R.: Minimal Music: Entwicklung, Komponisten, Werke, Darmstadt 1996
- Stoianova, Ivanka: Warum ist das Leichte schwer? Apropos Minimal Music; in: Musica 36. Jg. 1982, S. 512-517
- Quander, Georg: Vom Minimal zum Maximal: Gedanken zu "Satyagraha" von Philip Glass; in: Neue Zeitschrift für Musik, 143. Jg., 1/1982, S. 43-46
- Quander, Georg: Vom Minimal zum Maximal: Zum Problem der musikalischen Disposition, der Zeitstruktur und der Wirklichkeitsstufen in Phil Glass' Oper "Satyagraha"; in: Oper heute, Studien zur Wertungsforschung Bd. 16, Wien, Graz 1985
- Libretto zu Phil Glass' "Orphée", französisch/deutsch, herausgegeben von der Jeunesses Musicales Deutschland anläßlich der europäischen Erstaufführung in Weikersheim 1993
- Programmheft zur europäischen Erstaufführung von "Orphée", herausgegeben von der Jeunesses Musicales Deutschland, Weikersheim 1993
Zeitungsartikel
- Brug, Manuel: Zeichen aus dem Totenreich. "Orphée" von Philip Glass in Weikersheim. Süddeutsche Zeitung (6.8.93)
- Contag-Lada, Philip: In Jeans und Abendkleid. Amerikaner wohnt den Proben zu seiner Oper "Orphée" in Weikersheim bei. Fränkische Nachrichten (21.7.93)
- Contag-Lada, Philip: Orpheus ohne Euridice ob der Tauber. Weikersheim bringt neueste Glass-Oper als Europäische Erstaufführung. Neue Musik Zeitung (August/September 1993)
- Ermen, Reinhard: Nur ein Lesedrama. Die europäische Erstaufführung der Glass-Oper "Orphée". Frankfurter Rundschau (3.8.93)
- Jeitschko, Marieluise: Klänge, die in Trance versetzen. US-Komponist Phil Glass stellt in Deutschland seine Oper "Orphée" vor. Welt am Sonntag (25.7.93)
- Obiera, Pedro: Letzte Überzeugungskraft fehlt. "Orphée" von Philip Glass als europäische Erstaufführung in Weikersheim. Südkurier (3.8.93)
- Oehrlein, Josef: Schöner wohnen in neuen Klangräumen. Innenarchitektur mit Feuerstühlen: Europäische Erstaufführung der "Orphée"-Oper von Phil Glass in Weikersheim. Frankfurter Allgemeine Zeitung (9.8.93)
- Schöbel, Petra: Mythologisches aus dem Musikbaukasten. Im Weikersheimer Schloßhof erlebte Philip Glass' neue Oper "Orphée" ihre Europapremiere. Reutlinger Generalanzeiger (2.8.93)
- Struck-Schloen, Michael: Von der Umkehr ins eheliche Erdenglück. Glass-Oper "Orphée" in Weikersheim erstaufgeführt. Kölner Stadtanzeiger (4.8.93)
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Anmerkungen und Erläuterungen
- Es sind noch viele weitere Begriffe in Gebrauch, zu nennen sind da z.B. die Bezeichnung als "periodische Musik": Ernstalbrecht Stiebler, Überlegungen zur periodischen Musik; in: Avantgarde-Jazz-Pop. Tendenzen zwischen Tonalität und Atonalität, Mainz 1978. Fabian Lovisa erläutert den Begriff "Ac' Art" und setzt ihn in Beziehung zur Op` Art: Fabian R. Lovisa, minimal music: Entwicklung, Komponisten, Werke, Darmstadt 1996, S. 17f. Weitere Begriffe sind "Raster-Musik", "zyklische Musik", auch "Meta Musik" und "Body-Music" und "Neue Einfachheit"
- Als "Gründungsväter können die vier Amerikaner La Monte Young, Terry Riley, Steve Reich und Philip Glass gesehen werden. In der Folge haben sich viele Komponisten auf der Welt der minimal music ange schlossen; in Deutschland sind dies z.B. Peter Michael Hamel, Hans-Karsten Raecke und Erhard Grosskopf.
- Steve Reich sagt dazu: "Ich glaube nicht, daß ein solches Label gut für das musikalische Denken ist, weil es einem meistens sagt, wer man ist und einen definiert; und das ist eigentlich das letzte, was ein Komponist will [...]"; zit nach Fabian R. Lovisa, "minimal music: Entstehung, Komponisten, Werke", Darmstadt 1996, S. 15
- Ulrich Dibelius, Moderne Musik II - 1965-85, München 1988, S. 174
- Hermann Danuser, Gegen-Traditionen der Avantgarde, in: Danuser, Kämpe, Terse (Hrsg.), Amerikanische Musik seit Charles Ives, Laaber 1987, S. 110
- Zu unterschiedlich sind die Tendenzen in der minimal music, so daß diese Aufstellung nicht vollständig sein kann und nicht jeden Bereich erfaßt.
- Dieser Begriff wurde von Philip Glass geprägt und ist bestimmendes Merkmal seiner Werke bis heute geblieben.
- "Die musikalische Praxis der repetitiven Musik ist stets paradoxerweise mit der Erfahrung des Vergessens verbunden. [...] Bei der repetitiven Musik, die auf zielgerichtete Entwicklungen verzichtet, ist die Dialektik der Erinnerung und Wiederholung aufgehoben: Die am gleichen Ort bleibende Hin- und Herbewegung der repetitiven Musik schafft die zielgerichtete Zeit ab. Man kann sich nicht erinnern, weil das Wiederholungsmuster immer da ist [...]" - Ivanka Stoianova, "Warum ist das Leichte schwer?"; in: Musica, 36. Jg., 1982, S. 516 Dieser Umstand hängt sicherlich mit außereuropäischer Zeitauffassung zusammen; alle "Minimalisten" haben afrikanische oder asiatische Musik studiert und auch gespielt und dort ebensolche Erfahrungen gemacht.
- "Besonders zu Beginn der minimal music bestand eine enge Zusammenarbeit mit den Künstlern der minimal art [...]. Durch diese Verbindungen zur minimal art fanden die Konzerte der Musiker zunächst in den privaten Lofts der Künstler oder in Galerien statt. Lange Zeit kam das Hauptinteresse an dieser Musik von bildenden Künstlern und nicht von Musikern." aus: Brigitte Krohn, Phil Glass: "Satyagraha": Ein Werk der Minimal Music, Düsseldorf 1984, S. 19
- Gerhard R. Koch, "Edle Einfalt - Stille Größe? Einige Anmerkungen zur sogenannten minimal music", Musik und Medizin, 3. Jg., 6/1977, S. 67
- Interview Lovisa/Andriessen, Amsterdam 3.3.1995, aus: Fabian R. Lovisa, "minimal music: Entstehung, Komponisten, Werke", Darmstadt 1996, S. 15
- zit. nach Kopp, Karen; Wenzel, Petra; Schürmann, Hans; Lippert, Werner (Hrsg.): Philip Glass: Orphée - The making of an opera; Düsseldorf 1993, S. 79
- ebd. S. 78ff
- In den letzten Jahren konnte ein regelrechter Boom auf diesem Gebiet festgestellt werden. Es entstand eine Vielzahl von neuen stilistischen Richtungen mit verschiedenen Bezeichnungen; von "spiritueller Musik" und "kosmischer Musik" zur "New-Age-Musik". Dabei wur den auch gleich andere Bereiche der Musik eingeschlossen, z.B. Bereiche der Popmusik mit psychedelischen Ausprägungen oder eben auch die minimal music.
- Bereits 1934 wurde in den USA eine Firma gegründet, die sich mit Produktion und Vertrieb von Hintergrundmusik befaßt (funktionale Musik, verkürzend auch "Muzak" genannt). Diese wird inzwischen weltweit eingesetzt, in Büros, Geschäften, Hotels und Flughäfen, mit einem geschätzten täglichen Hörerkreis von ca. 100 Mio. Menschen.
- Ulrich Dibelius: Moderne Musik II 1965-85, München 1988, S. 380
- Fabian R. Lovisa, "minimal music: Entstehung, Komponisten, Werke", Darmstadt 1996, S. 13
- "Unbestreitbar ist ein starker Effekt der meisten minimalistischen Klangschöpfungen auf die Psyche des Publikums. Diese Wirkung kann beim aufgeschlossenen Zuhörer meditativen Charakter annehmen." aus: Fabian Lovisa, a.a.O., S. 12
- Terry Riley vergleicht den Gesangsunterricht, den er zusammen mit La Monte Young bei Pandith Pran Nath nahm, mit einer "religiösen Einkehrzeit, um den ganzen Tag zu meditieren"; vgl. Fabian Lovisa, a.a.O., S. 49- 50
- Gerhard R. Koch, Edle Einfalt - Stille Größe? Einige Anmerkungen zur sog. minimal music, in: Musik und Medizin 6/1977, S. 71
- "Immer wieder - und das ist für die minimal music mit ihren von da an schnell wachsenden Ausbreitungstendenzen insgesamt typisch - wird ein erheblicher Aufwand getrieben, um neue Webmuster, sich verjüngende oder sanft drehende Schraffuren [...] zu erfinden, nur zu dem einen Zweck, die Monotonie des dauernd sich selbst umkreisenden Gleichen zu überlisten und zu verschleiern, also unkenntlich zu machen." aus: Ulrich Dibelius, Moderne Musik II, München 1988, S. 179f
- "Gerade in der Entwicklung von Philip Glass und Steve Reich gibt es zahlreiche Anzeichen für die Rücknahme radikaler Positionen, für eine Abkehr von den ursprünglichen Konzeptionen und Idealen - Anzeichen [...] eines Alterns der Minimal Music, das gewiß auch durch die restaurativen Zeittendenzen befördert wurde. Dafür gibt es zunächst äußere Indizien, etwa die Distanzierung von der Minimal Art, der Kunstszene generell, die ursprünglich Nestwärme und Starthilfe gegeben hatte. [...] Symptome der Veränderung zeigen sich aber auch in der musikalischen Struktur selbst. Das Prinzip der Unpersönlichkeit, der Autonomie des einmal in Gang gesetzten musikalischen Prozesses wird kaum mehr gewahrt. [...] Die Musik verliert so ein Gutteil ihrer Strenge, Didaktik und rationalen Durchschaubarkeit, wird reicher, verführerischer [...]." - Monika Lichtenfeld, Minimal Music in den USA, in: Musik und Bildung, 14. Jg. 1982, S. 145-46
- Alle vier Komponisten hatten untereinander personelle Anknüpfungspunkte. Terry Riley war mit La Monte Young befreundet, Steve Reich wiederum spielte in Rileys Ensemble und war ebenfalls wichtiges Vorbild und auch Freund von Philip Glass. Diese Verzahnung führte zu einem raschen Ideenaustausch und zur Konsolidierung der eigenen Erfahrungen.
- Young komponierte in der Zeit seines Studiums an der Californian University ab 1956 mit seriellem Charakter. Das Schaffen Weberns hatte dabei einige Faszination auf Young ausgeübt. In seiner zweiten Schaffensphase war Young stärker von John Cage beeinflußt, der Teil der sog. Fluxus- Bewegung war. Die beiden lernten sich bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik im Jahr 1959 kennen. Die minimalistische Schaffensperiode beginnt ca. 1963 mit der Ausformulierung zweier minimalistischer Grundprinzipien: Die Verwendung eines repetitiven Elements in seinem Stück "Arabic Numeral" und die Reduzierung des Notenmaterials auf kleinste Einheiten - die einzelne Note. Ein Beispiel ist das Stück "Composition 1960 Nr. 7", in dem eine Quinte h-fis im Fortissimo möglichst lang ausgehalten werden soll "To be held for for a long time"
- Als Resultat seiner Experimente mit den Tonverhältnissen kam Young zu dem Schluß, daß nur die reinen, ganzzahligen Verhältnisse einen positiven Einfluß auf die menschliche Psyche haben können. Die temperierten Schwebungen stören dabei den puren Eindruck der Intervalle.
- "Die Idee der Repetition - von La Monte Young bereits in 'Arabic Numeral' aus dem Jahre 1960 verwirklicht - avanciert in Rileys kompositorischem Ansatz zum hauptsächlichen Gestaltungsprinzip", Fabian Lovisa, a.a.O., S. 51 "Terry Riley [...[ hat als erster Möglichkeiten einer Minimal Music repetitiver Art verwirklicht.", Hermann Danuser, a.a.O., S. 110
- "Eine Dauer-Umspielungsstudie um den Ton C", Ulrich Dibelius, a.a.O., S. 96 "Anläßlich einer Aufführung [...] 1980 in Bremen wird das Werk 'als die einflußreichste Komposition eines Amerikaners seit 1960' gewertet. [...] Das Werk ist geschrieben für eine beliebige Anzahl beliebiger In strumente [...]. Sie müssen lediglich in der Lage sein, die vorgeschriebenen Patterns klanglich umzusetzen.", zit. nach Fabian Lovisa, a.a.O., S. 53 Dem Stück liegen 53 verschiedenen Patterns von unterschiedlicher Länge zugrunde. Alles spielt sich um den Ton C ab, der in verschiedenen Tonhöhen intoniert wird. Durch rhythmische Überlagerungen und Querstände, die sich aus dem unterschiedlichen Aufbau der Patterns ergeben, verwischen die rhytmischen Strukturen und rücken in die "Nähe fernöstlicher Musikwelten", vgl. Fabian Lovisa, a.a.O. S. 55
- 1970 lernte er den indischen Sänger Pandith Pran Nath kennen und wurde sein Schüler. Riley galt später als der einzige westliche Musiker, der den indischen Raga- Gesang adäquat wiedergeben konnte.
- vgl. Fabian Lovisa, a.a.O., S. 58
- Steve Reich, Music as a gradual process, in deutscher Übersetzung in: Danuser, Kämpe, Terse, a.a.O., S. 288f
- Reich zit. nach: Fabian Lovisa, minimal music, a.a.O., S. 64
- "[...] Wenn ich das nicht in live-Musik umsetzen kann, ist es keine Musik, ist es nur elektronisch - letztendlich nur ein Trick." Steve Reich zit. nach Fabian Lovisa, minimal music, a.a.O., S. 69
- Philip Glass hatte bis dahin schon einige Stipendien und Auszeichnungen erhalten, etwa zwanzig seiner Werke waren auch schon veröffentlicht. Er sagte aber selbst: "Ich war ein Musterschüler und hatte immer die besten Noten. Ich lernte, die Musik meiner Lehrer zu kom ponieren und wurde dafür reichlich belohnt." - Philip Glass zit. nach Fabian Lovisa, a.a.O., S. 88
- Darin unterscheidet Glass sich von La Monte Young und Terry Riley, für die die Beschäftigung mit indischen Struktur- und Klangphänomenen entscheidender Bestandteil ihrer Musik war. Glass sagt dazu: "Im Endeffekt verdanke ich dann doch wieder Bach und Mozart mehr als Ravi Shankar", zit nach Gerhard R. Koch, "Der Verweigerungs-Minimalist und die Verkündigungsmonumentalität", aus: Musik und Medizin 6/1981, S. 74
- aus: Programmheft zur europäischen Erstaufführung von Glass' Oper "Orphée" 1993, Weikersheim/Baden- Württemberg
- Fabian Lovisa, a.a.O., S. 93
- Glass sagt: "The best music is experienced as one event, without start or end"; zit. nach Brigitte Krohn, a.a.O., S. 21
- Das kann man anhand seiner Opernwerke feststellen: Die Musik in "Einstein on the Beach" (1976) ist vom Charakter her noch völlig anders geartet als seine zweite Oper "Satyagraha" (1981). Letztere zeigt alle Merkmale, die für Glass' nachfolgendes Schaffen wesentlich sind.
- Philip Glass zit. nach: Brigitte Krohn, Phil Glass: Satyagraha, a.a.O., S. 48
- In den 70er Jahren verstärkt sich sein Interesse am harmonischen Aufbau. Aus einer anfänglichen Zweistimmigkeit wird eine komplexe Vierstimmigkeit mit motivischer Verarbeitung und gegenläufiger Stimmführung - z.B. in seiner "Music with changing parts" 1970. Den Weg der "Anreicherung" gehen auch Steve Reich und die minimalistischen "Nachfahren", so daß der Terminus "minimal" dadurch auch aufgeweicht wurde.
- Philip Glass sieht in dieser Oper das Ende der minimal music erreicht, bedingt durch den Formenreichtum und die Verbindung von Tanz, Bild Musik und Wort. In seinen späteren Opern erweitert er dies sogar noch; dennoch werden seine Werke von der Kritik weiterhin als "minimal music" bezeichnet. Seine Musiksprache hat sich spätestens seit seiner Oper "Satyagraha" gefestigt und ist in allen Werken unver kennbar ihm zuzuordnen, was diesen Umstand erklären mag.
- Glass hatte sich schon vorher mit diversen Konzerten in New York und Amerika überhaupt bekannt gemacht, doch der weltweite Durchbruch gelang ihm erst mit der Aufführung seiner Opern in Europa.
- Die Oper "Satyagraha" ist ein Auftragswerk der Stadt Rotterdam, nach der Aufführung dieser Oper in Stuttgart 1981 gab die Württembergische Staatsoper Philip Glass den Auftrag zu einer weiteren Oper - "Echnaton"; 1984 in Stuttgart uraufgeführt. Die Zahl der Auszeichnungen, Uraufführungen und Aufführungen und der damit erzielte Umsatz weisen Glass als einen der erfolgreichsten zeitgenössischen Komponisten aus. Die Metropolitan Opera gab ihm 1988 den Auftrag zu einer Oper zum Kolumbusjahr und verband damit ein Honorar von 325.000 Dollar, was als das höchste bis dahin gezahlte Opernhonorar gilt. "The Voyage" wurde im Oktober 1992 in New York uraufgeführt.
- Ulrich Dibelius, Moderne Musik II, München 1988, S. 187
- 1990 wurde die Trilogie von Achim Freyer in Stuttgart inszeniert, nachdem Freyer schon 1981 und 1984 zwei Opern von Glass nach Stuttgart brachte.
- Philip Glass äußert sich dazu in einem Interview: "Den Film gibt es ja schon lange; seit 1949, und ich habe ihn schon sehr früh gesehen. 1954 und dann 1964 war ich in Paris; ich war noch sehr jung und wollte französisch lernen. [...] Die Nachkriegszeit in Paris, das war schon eine ganz besondere Zeit. Die Besatzungszeit war noch frisch im Gedächtnis, und diese Erfahrungen sind offensichtlich in die Sprache des Films eingegangen. Es muß so um diese Zeit herum gewesen sein, als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe. 1963, 64, 65; das war eine sehr interessante Zeit. [...] In Frankreich gab es damals diesen unglaublichen Aufschwung im Bereich des Films. Und Cocteau war damals einer der Protagonisten." aus: Kopp, Karen; Wenzel, Petra; Schürmann, Hans; Lippert, Werner (Hrsg.): Philip Glass: Orphée -The making of an opera; Düsseldorf 1993, S. 10f
- ebd. S. 5
- ebd. S. 6
- aus: Programmheft zur europäischen Erstaufführung von "Orphée", a.a.O.
- in: Philip Glass: Orphée: The making of an opera, a.a.O., S. 35f
- ebd. S. 50
- ebd. S. 33
- Abschrift der Prologe zu den beiden Akten der Oper. Tonbandaufnahme der Aufführung am 6.8.93 in Weikersheim. Musikalische Leitung Karen Kamensek/Dennis Russell Davies, Regie Birgitta Trommler
- Fabian Lovisa, a.a.O., S. 102
- Dies ist bei Glass nicht ungewöhnlich; meistens gibt er zwar Regieanweisungen, hält sich dann aber eher im Hintergrund und ist bereit, dem Regisseur Spielraum für eine eigene Interpretation zu lassen. So berichtet Achim Freyer über seine Inszenierung von "Satyagraha" 1981 in Stuttgart in einem Brief: "Es gibt von Glass Angaben zur Inszenierung, wahrscheinlich eine nötige Arbeit für das Entstehen der Musik. Damit ist dann ein Werk in seiner Zeit auf dem Papier abgeschlossen und liegt als ein geistiges Material oder Diskussionspartner über unser Jetzt vor. [...] Glass ist sich jedoch der Veränderbarkeit seines Werkes bewußt, er hatte sogar bedacht, daß seine Werke in Deutschland durch deutsche Theaterleute die spezifische Problematik und Aktualität des Landes ausdrücken sollten, etwas, das er eben nicht geschrieben hat. Somit wird klar, daß Glass, selbst wenn er auf Proben erschien, nicht die geringste Andeutung eines Wie in Bezug auf Aufführungsform und Inhalt macht." aus: Brigitte Krohn, Satyagraha, a.a.O., S. 68f
- zit. nach Gerhard R. Koch, "Edle Einfalt - Stille Größe?", a.a.o., S. 68f
- Gerhard R. Koch bezeichnet dieses Plädoyer als "Credo der Cage-Schule und der minimal music-Ästhetik", vgl. Gerhard R. Koch, "Edle Einfalt - Stille Größe?", a.a.O., S. 68
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Alle Rechte vorbehalten. Zitieren mit Quellenangabe erlaubt. Kontakt: Florian Schulte